BARF · Hundeernährung

BARF und die quälende Frage: mache ich alles richtig?

Bevor ich mit dem Barfen angefangen habe, habe ich mich lange und intensiv informiert. Ich hatte Angst etwas falsch zu machen und Bailey am Ende zu schaden. Nachdem ich mich wirklich sehr ausführlich informiert hatte und auch immer wieder Zuspruch bekam, trauten wir uns an die Ernährungsform BARF ran. Meine Sorgen und Ängste waren weg und ich war mir sicher: Um eine Unter- oder Überversorgung brauche ich mir keine Gedanken machen, wenn ich mich am Prinzip des Beutetiers orientiere.  

Nun barfen wir seit gut drei Monaten. Baileys Fell glänzt wie noch nie und ist butterweich. Sie strotzt vor Energie, die Augen strahlen und sie sieht rundum Gesund aus.

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Die Zweifel

Und trotzdem waren da seit einiger Zeit wieder die Zweifel. Mache ich alles richtig? Bekommt Bailey alles was sie braucht?

Komisch, obwohl ich diese Zweifel nicht mehr hatte, als ich mit dem Barfen gestartet bin, holten sie mich langsam immer wieder ein. Man hörte hier und dort mal etwas. Laß in Facebookgruppen zum Thema BARF plötzlich von Dingen, die einem vorher noch nie in den Sinn gekommen sind. Da stehen dann z.B. Aussagen wie „Schäden an den inneren Organen merkst du erst, wenn es zu spät ist!“.

Dazu kann ich sagen: In BARF Facebookgruppen und auch in Foren wird allgemein sehr viel diskutiert über das „wie“ und „was“. Sie sind unheimlich hilfreich, aber sie können einen auch komplett verwirren. Ich gestehe – diese Diskussionen haben mich immer wieder verunsichert und ich fing an zu hinterfragen, ob ich denn wirklich alles richtig machte.

 

Rohfütterung beim Hund

 

Das BARF Profil

Was macht der Mensch also, wenn er Zweifel hat und sich unsicher ist?

Richtig! Er sucht eine Möglichkeit, um Bestätigung zu erhalten, dass alles gut ist. Ich tat genau das und fuhr deshalb zu meiner Tierärztin. Eigentlich wollte ich ein Blutbild von Bailey machen lassen, weil ich einmal gehört hatte, dass man so Mangelerscheinungen erkennen kann. Die Tierärztin sagte mir, dass es ein extra BARF Profil gäbe, was eben auch Werte wie Jod und Kupfer misst. Es sei aber nicht günstig. Ich dachte mir direkt: hauptsache der Hund ist gesund oder? Also habe ich das BARF-Profil machen lassen und mit Blutabnahme schlappe 130 Euro bezahlt. Eine Stange Geld, aber wenn man danach 100% Gewissheit hat, ob es seinem Hund gut geht, dann ist es sein Geld wert.

 

Sinn oder Unsinn

Ich wartete ganz gespannt auf die Ergebnisse von dem BARF-Profil. Nach ein paar Tagen war es soweit und meine Tierärztin rief mich an. Die Erklärungen am Telefon fand ich etwas dürftig muss ich gestehen. Am Ende hat sie mir eigentlich nur gesagt, dass alles gut sei und nur der Kupfer und der Jod Wert waren etwas zu gering. Ich habe natürlich nachgefragt, was ich da nun machen soll, aber die Antwort ließ mich direkt vermuten: viel BARF Hintergrundwissen gibt es da nicht.

 

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Meine Tierärztin sagte mir, um den Jodwert zu erhöhen sollte ich einfach mehr Jodsalz füttern… Ich glaube alle die barfen oder sich mit der Ernährungsform BARF beschäftigt haben, werden nun vermutlich aufschreien. Zu Recht! Mit Jodsalz erhöht man nicht den Jodwert eines Hundes. Dazu müsste man schon große Mengen an Jod füttern. Wenn man den Jodbedarf des Hundes decken will, gibt man Seealgenmehl hinzu. Das allerdings wohl dosiert, denn sowohl zu wenig als auch zu viel ist nicht gut.

Das BARF-Profil hat allerdings noch einen weiteren Haken. Es ist nur eine Momentaufnahme und dadurch nicht wirklich aussagekräftig. Nachdem ich das Geld ausgegeben hatte, habe ich mich noch einmal mehr mit dem Thema beschäftigt und bin zu dem Schluss gekommen: Das Geld hätte ich mir sparen können. Das hätte ich z.B. besser in eine Ernährungsberatung investieren sollen, die meinen BARF Plan einmal überprüft.

Gut aus Fehlern lernt man ja bekanntlich und ich denke wir werden kein weiteres BARF Profil mehr machen lassen ;-).

Also spielte ich stattdessen mit dem Gedanken doch einmal eine professionelle Ernährungsberaterin zu kontaktieren. Aber bevor ich das tat, kam ich zu etwas ganz anderem.

 

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Ein BARF Webinar bei Nadine Wolf

Kennt ihr das Das BARF-Buch *? Ich habe es selber nicht gelesen, aber es soll ganz toll sein. Nadine Wolf ist Autorin dieses Buches und außerdem führt sie den BARF-Blog http://mashanga-burhani.blogspot.de und ist Ernährungsberaterin. Nadine wollte ihr erstes Webinar (ein Online-Seminar) durchführen und ich sicherte mir direkt einen Platz. Das Webinar sollte recht ausführlich werden und an drei Dienstagen je 2 Stunden laufen.

Nadines Webinar richtete sich an Barfanfänger, aber auch an die, die bereits seit einiger Zeit Barfen und Ahnung haben. Also fühlte ich mich als Zielgruppe direkt angesprochen und hoffte, dass mir durch Nadine meine Unsicherheiten und Zweifel genommen werden konnten. Denn neben Hintergrundwissen zum Barfen, sollte es in dem Webinar auch um die Erstellung eines ausgewogenen Futterplanes gehen.

Also klemmte ich mich mit meinem Abendbrot und einer Jogginghose dienstagabends um 19:30 vor den Computer. Mir kam das sehr entgegen, nicht noch abends in einen Seminarraum fahren zu müssen, sondern der Präsentation über dem heimischen Computer folgen zu können. Nadine war währenddessen über eine Webcam sichtbar und im Chat konnten während der ganzen Veranstaltung Fragen gestellt werden.

 

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Schnell zeigte sich, dass unter den BARF Anfängern auch z.B. Tierheilpraktiker waren, die sehr spezifische Fragen hatten und Nadines Aussagen auch kritisch beleuchteten. Es gab jedoch in allen drei Webinar Runden keine einzige Frage, die unbeantwortet blieb und alle Aussagen konnte Nadine direkt mit Studien belegen. Wie sagt man so schön „das hatte Hand und Fuß, was sie erzählt hat.“

Vieles was Nadine erklärte kannte ich bereits aus meinen eigenen Recherchen. Es tat jedoch gut Bestätigung zu finden und zu merken, dass man mit seiner Fütterung keine großen Fehler macht. Besonders spannend fand ich den Teil rund um die Zusätze beim Barfen und die Erstellung des eigenen Futterplanes.

 

Zusätze beim Barfen
Zusätze beim Barfen

Ja, und ich lernte: beim BARF Profil ist der Kupferwert fast immer zu niedrig und den richtigen Wert kann man nur mit einer Leberbiopsie herausfinden (Bitte nicht machen!!!). Also ein weiteres Argument gegen das teure BARF-Profil.

Das Webinar wurde die gesamte Zeit über immer von einer anschaulichen Präsentation begleitet und ich habe mir währenddessen ein paar Notizen gemacht. Nach den ganzen Informationen von Nadine, habe ich meinen eigenen Plan nochmal ein klein wenig angepasst.

 

Bin ich immer noch unsicher?

Ehrlich gesagt nein. Momentan fühle ich mich sehr sicher mit unserer Fütterung. Ich habe jeden Tag ein gutes Gefühl, wenn ich Bailey das Fleisch in den Napf tue. Das Webinar von Nadine hat mir die nötige Sicherheit gegeben. Ob diese nun wirklich anhält oder ob die Zweifel irgendwann wiederkommen, das weiß ich noch nicht. Aber dann gucke ich mir einfach nochmal die Unterlagen an und dann bin ich bestimmt wieder sicher, in dem was ich tue.

Es steht zwar aktuell kein Webinar an, aber wenn ihr Interesse daran habt, dann könnt ihr euch die Videoaufzeichnung des vergangenen Webinars kaufen und euch ganz in Ruhe angucken. Ich kann es auf jeden Fall jedem empfehlen, der mit dem Barfen anfangen will oder sich unsicher ist.

Und noch eine kleine rhetorische Frage zum Schluss:

Wer garantiert eigentlich einem, dass der Hund mit einem Fertigfutter alle Nährstoffe bekommt, außer der Futtermittelhersteller selbst?

 

* hierbei handelt es sich um einen Affiliate Link

10 Kommentare zu „BARF und die quälende Frage: mache ich alles richtig?

  1. Sehr schön ge- und beschrieben, Jasmin. 🙂 Du sprichst mir quasi aus der Seele.
    Miko wird jetzt seit 7 Monaten gebarft. Die Entscheidung fiel damals recht kurzfristig, da wir aus gesundheitlichen Gründen so schnell wie möglich weg vom Trockenfutter mussten. Die Zweifel kamen daher erst ein paar Wochen/ Monate später.
    Das Barf-Profil haben wir ebenfalls letzten Monat machen lassen und bei Miko ist alles, wie es sein soll. Natürlich! …eine Momentaufnahme. Dass man mit diesem einen Bluttest auf Ewig auf der sicheren Seite ist… ja, den Zahn zieht einem das Labor schon selbst, denn eine Erklärung zu den Normalwerten und Abweichungen der Nährstoffe und wie aussagekräftig diese sind, waren unserem Bericht beigefügt. Allein der Vitamin D3 Wert habe eine gute Aussagekraft; bei allen anderen heißt es, schließe ein Normalwert eine fütterungsbedingte Fehlversorgung nicht aus. :/
    Nun gut. Trotzdem hat mir das Ergebnis für den Moment tatsächlich die Sicherheit gegeben, die ich brauchte.
    Kann das muntere Barfen also weitergehen.

    Einen Tipp hab ich noch: Wir füttern Blut, um die Jodversorgung zu gewährleisten. Vielleicht eine Überlegung wert?

    Ganz lieben Gruß,
    Melanie mit Miko

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo liebe Melanie,

      Ja das mit dem BARF Profil ist wirklich so ne Sache.
      Ich hatte allerdings tatsächlich damals auf das Ergebnis gewartet, bevor ich angefangen habe seealgenmehl zu füttern :).
      Blut ist aber auch ne gute Möglichkeiten da wüsste ich jetzt aber gar nicht wie viel man geben muss.

      Lg

      Jasmin

      Gefällt mir

  2. Ach toll, dass du der inneren Unsicherheit so profunde an den Kragen gerückt bist. Leider habe ich in all den Jahren des Barfens noch keinen einzigen Tierarzt gehabt, der a) Ahnung vom Barfen hatte und b) dem Positiv gegenüber gestanden hat. Da gilt es noch immer viel Aufklärungsarbeit zu betreiben, damit auch an den Hochschulen ein größerer Fokus darauf gelegt wird.
    Freu mich mit dir, dass die Zweifel verflogen sind und hoffe Bailey wird noch viele leckere Menüs erblicken und schleckern dürfen.
    GLG Danni

    Gefällt 1 Person

    1. Hi liebe Danni, unsere Tierärztin war grundsätzlich schon mal nicht gegen BARF. Das fand ich echt gut. Aber Ahnung steckte da wohl leider auch nicht hinter. Wirklich schade!
      Nadine Wolf sagte in ihrem Webinar was interessantes.
      Die meisten Studien werden von hundefuttermittelherstellern bezahlt. BARF Studien haben meistens keine Sponsoren und deshalb ist die Waage meistens immer noch pro fertigfutter.

      Lg

      Jasmin

      Gefällt 1 Person

  3. Hallo Jasmin,
    das mit dem Webinar klingt spannend. Shiva wird ja auch seit dem Einzug gebarft und davor Rocky auch schon für knapp 4 Jahre. Trotzdem bin ich manchmal unsicher und frage von Zeit zu Zeit eine Ernährungsberaterin. Man will sich ja auch rückversichern, das man alles richtig macht.

    Flauschige Grüße
    Sandra & Shiva

    Gefällt 1 Person

  4. Super finde ich bis heute, dass du den Schritt gegangen bist und damit als großer Multiplikator das Thema gesunde Ernährung beim Hund, vielen näher bringst.
    Wir haben Tino bereits als „gebarften“ Welpen übernommen und es war eine Grundvoraussetzung, dass wir den Hund weiterhin so ernähren, damit wir überhaupt einen Welpen bekommen. Darum habe ich mich lange bevor ich mich überhaupt mit der Erziehung auseinadergesetzt habe, mit Barf beschäftigt, weil ich nicht wollte, dass ich mich damit auseinadersetzen muss, wenn der Knirps da war. Nachdem Tino aber für seine Rasse doch relativ klein war, haben wir eine Rationsüberprüfung bei der TU München machen lassen. Das war super hilfreich und hat mir viel Angst genommen was falsch zu machen. Ein normales Blutbild von Tino vor Wochen war auch völlig unauffällig. Ich denke, wenn man ein bisschen nachdenkt, sollte allen klar sein, dass man das Thema nicht relogiös verfolgen muss es aber auch nicht gesund sein kann, seinen Hund mit Industriefutter zu füttern, wo man 0,0 Transparenz hat was drin. Was ich aber zugeben muss; Wenn man vom Land kommt und eh schon immer gesehen hat, das Hunde mit Pansen, Küchenabfällen und resten von der Jagd gefüttert wurden (und alle Hunde steinalt wurde, ohne Krebs, unverträglichkeiten oder sonstigem), hilft es ungemein mit dem, dagegen was schon hygienisch sauberen, Frischfleisch zu hantieren. 😀

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    1. Vielen Dank für deinen super langen Kommentar! ☺️ ich bereue den Schritt zum Barfen auch absolut nicht und würde es immer wieder genau so machen. Ich hoffe auch, dass ich einige über die Hundeernährung auf diesem Wege aufklären kann. Ich musste das ja auch alles erst nach und nach lernen. Und ich bin froh mich damit so ausgiebig zu beschäftigen.

      Lg

      Jasmin

      Gefällt mir

  5. Wiedermal ein ganz toller Beitrag! Ich darf leider nicht barfen, da meine Eltern es nicht erlauben. Habe aber immer noch die Hoffnung, sie irgendwann mal zu überreden. Die Argumente sind immer die gleichen: Zu teuer, zu zeitaufwändig… Das mit der Zeit mach ich ja , und so viel teurer als das Trockenfutter ist es auch nicht. Doch leider gibt es viele Menschen die nicht ganz verstehen können, wie man für einen Hund so viel aufwand betreibe kann. Aber deine Blogbeiträge sind echt klasse und sollte ich jemals Barfen dürfen, werden sie mir mit Sicherheit weiterhelfen.😊 👍

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