Allgemein · Gastbeitrag

[Gastbeitrag] Neuer Hund und Kleinkind – können wir das machen?

Wie die meisten von euch ja wissen, leben wir zu Dritt. Das heißt mein Freund Marvin, unsere Hündin Bailey und ich. Ein kleines süßes Dreiergespann. Bevor wir Bailey vor 1,5 Jahren zu uns holten, hatten wir uns eine längere Zeit überlegt, ob wir uns jetzt der Herausforderung „Hund“ stellen wollen oder erst viel später, wenn wir eine eigene Familie gegründet haben. Wir entschieden uns fürs erste und ich glaube mit Baileys Einzug bei uns, haben wir bereits sehr viel gelernt, was uns später einmal mit einem „echten“ Kind helfen wird. ZB. was Konsequenz und Erziehung angeht, aber wir haben auch jede Menge Spaß und bekommen unheimlich viel Liebe zurück. Alles in allem habe ich das Gefühl wir haben mit Bailey eine gute Vorbereitung (später mal) auf ein Kind.

 

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Unser erstes Familienfoto 3 Wochen nach Baileys Einzug

Aber das Ganze geht natürlich auch andersrum. Die liebe Biene vom Blog closerthanyesterday ist bereits Mutter einer kleinen Tochter namens Malou und sie hat sich mit ihrer kleinen Familie der Herausforderung gestellt einen Hund zu sich zu holen. Ich bin total glücklich über den nun folgenden Gastbeitrag von Biene. Sie beschreibt darin Gedanken und Probleme, die ich gar nicht kenne. Klar, denn in ihrer Familie ist einiges etwas anders und alles etwas bunter und wilder. Denn wie ist es eigentlich mit einem Kleinkind und einem Hund so? Welche Herausforderungen bringt das Leben mit einem Hund und einem Kind eigentlich mit sich? Da gibt es so viele offene Fragen und ich glaube einige davon kann nur jemand wie Biene beantworten, die das Ganze Treiben tagtäglich miterlebt und aus ihrer Sicht sprechen kann.
Aber nun wünsche ich euch ganz viel Freude beim Lesen!

Einen Hund mit Kleinkind holen – geht das?

Schon in der Schwangerschaft haben wir oft darüber geredet, dass Malouchen mit einem Hund aufwachsen soll und uns sehnlichst ein viertes vierbeiniges Familienmitglied gewünscht. Da wir beide mit Hunden aufgewachsen sind, war uns aber bewusst, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit ein kleiner Welpe benötigt und dass es keinesfalls damit getan ist einige Male am Tag mit ihm spazieren zu gehen.

Also wollten wir uns erst einmal als Familie zusammenfinden, uns so viel Zeit geben, wie wir brauchen, um zu Dritt einen Alltag zu finden und erst dann entscheiden, ob auch dort ein Hund Platz hat. Genau das hat nämlich die Familie, von der wir Spike später holen sollten, nicht getan – in der Schwangerschaft haben sie sich einen Welpen gekauft und nach der Geburt gemerkt, dass sie heillos überfordert sind.

 

Kind und Hund wie funktioniert das?

 

Kurz vor Malous erstem Geburtstag haben wir uns dann erneut und nun auch intensiver Gedanken um Hundezuwachs gemacht. Hier an unserer Seite war ein Platz frei, vor allem auch, weil mein Freund den Hund tagsüber mit in seinen Fahrradladen nehmen kann, wann immer es nötig wird. Doch auch zu diesem Zeitpunkt war es uns noch lange nicht möglich einen Welpen aufzunehmen: Malou krabbelte und stecke ihre kleinen Fingerchen liebend gerne in jede Pfütze, da ist es nicht möglich einen nicht stubenreinen kleinen Welpen aufzunehmen. Außerdem möchten wir sie so früh noch nicht in die Kita geben, somit haben wir auch kaum eine ruhige Stunde, in der wir uns voll und ganz um einen doch sehr bedürftigen kleinen Hund kümmern könnten. So fassten wir den Plan in zwei Jahren nach einem Welpen zu schauen und bis dahin nach einem „Second-Hand-Hund“, obwohl ich sehr skeptisch war, einen zu finden der jung, lieb und ausgeglichen mit keinerlei Auffälligkeiten (das geht mit Kleinkind einfach nicht!) ist.

 

Das goldene Los – unser kleiner Spikey

Klang unmöglich – und doch haben wir innerhalb weniger Tage genau so ein Exemplar gefunden. Wir haben gezielt nach französischen Bulldoggen mit Papieren von einem eingetragenen Züchter gesucht und sind, wie oben erwähnt, auf eine Familie gestoßen, die unter Tränen ihre abgeben musste. Bis heute ist mir nicht klar, wie man so ein perfektes Wesen abgeben kann, aber es war unser Glück. Zwei Wochen nachdem wir die Suche begonnen haben waren wir als erstes dort und wollten auf keinen Fall etwas überstürzen. Doch dann haben wir uns gesagt – wenn nicht er, wer dann? Er ist jung, stubenrein, hört auf seinen Namen, kommt mit jedem anderen Hund zu Recht und liebt Kinder. Da mussten wir einfach ja sagen und weil es so schnell ging, habe ich ehrlich gesagt die Nächte bis zur Abholung kaum geschlafen. Würden wir uns übernehmen? Hätten wir nicht doch ein paar Jahre warten sollen?

 

Wie werden Hund und Kind ein Team

 

Die Abholfahrt war schrecklich, es war viel zu heiß, Malou hat nur geweint, weil sie keine Lust mehr hatte im Kindersitz zu sitzen und der arme Spikeyspike hat sich vor Stress sogar übergeben. Wir waren allesamt ganz unglücklich am ersten Abend. Aber ab dem zweiten Tag war es als wäre er immer bei uns gewesen – er legte sich zu uns zum kuscheln, kam wenn wir ihn riefen und sein Ziehen an der Leine wird mit Konsequenz jeden Tag besser. Wir können ihn sonntags fünf Stunden alleine lassen, wenn wir Klettern sind, ohne dass er irgendwo dran geht, Malou kann alles mit ihm machen ohne dass er mit der Wimper zuckt und er liebt selbst die kläffenden Nachbarshunde.

 

Kind und Hund ist eine große Herausforderung

Warum ich euch das erzähle? Nicht weil ich mich brüsten will mit meinem tollen Hund, sondern weil es trotz dieser wundervollen Eigenschaften nicht immer einfach ist mit Kind und Hund. Wenn Malou einen anstrengenden Tag hat, ist meine Laune auch automatisch sehr angespannt, das spürt auch der Hund. Wenn ich ein Zimmer aufräume und Malou in der Zeit zwei andere schon wieder verwüstet hat und dann auch noch Spike ihr Spielzeug in den Mund nimmt, muss ich oft tief durchatmen. SEHR tief. Zusätzlich zur Organisation von Malouchens Schläfchen, Essenszeiten und meinen Erledigungen und Verabredungen, sowie den Arbeitszeiten meines Freundes, ist da nun noch ein vollwertiges viertes Familienmitglied, dessen Bedürfnisse berücksichtigt werden müssen. Spikes Spaziergänge kollidieren manchmal mit Malous Rhythmus und wenn einer von uns abends alleine ist, muss genau geplant sein, wann der Hund seinen letzten Spaziergang macht – denn wir können unsere schlafende Tochter ja auch nicht alleine in der Wohnung lassen um mit ihm rauszugehen. Die größte Herausforderung ist der Weg vom Auto in die Wohnung mit Hund, laufendem Kleinkind und Einkaufstüten – meist komme ich schweißgebadet und erst viele Minuten später zu Hause an.

 

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.. aber auch eine riesige Bereicherung

Trotzdem bereuen wir es keinen Tag. Der kleine Racker macht unser Familienleben noch bunter, lustiger und liebevoller. Malous erstes Wort, dass sie verstanden hat und auf das sie zeigen konnte war Spike – nachdem wir ihn erst einige Wochen hatten und lange bevor sie auf Mama oder Papa zeigen konnte. Die beiden sind unzertrennlich, wo Malou ist, ist Spike und umgekehrt. Wenn ich denke, dass er jetzt wirklich mal die Hundeschnauze voll haben müsste von ihren Umarmungen, bleibt er ohne eine Regung liegen und lässt sie über sich rollen. Er ist der süßeste kleine Schmusehund der Welt! Wir sind noch mehr draußen als eh schon und nichts tut uns und vor allem unserer Tochter so gut wie den halben Tag im Wald zu verbringen.

Aber egal ob mit oder ohne Kind, ein Hund bedeutet viel Zeit und Verantwortung. Ich verurteile niemanden, der seiner Familie zuliebe einen Hund wieder abgibt – die menschliche Familie geht vor. Aber ich habe kein Verständnis für mangelnde Planung. Genauso wenig wie man einfach mal ein Kind bekommt und schaut wie es läuft, macht man dies mit einem Hund. Mit Kleinkind ist es umso wichtiger den perfekten Hund zu finden, der zu hundert Prozent in die Familie passt und keine Marotten hat – man muss ihm vertrauen und sich sicher sein, ihm auch an stressigen Tagen, wenn das Kind krank ist oder quengelig, gerecht zu werden. Und das wird man meiner Meinung nach weder einem Hund mit schwerer Vorgeschichte, noch einem Welpen. Hat man nicht das Glück, einen Hund wie wir mit Spikey zu finden, so sollte man ein paar Jahre warten bis man ganze Stunden am Tag hat, die man dem Hund und seiner Erziehung und seinen Problemen widmen kann. So erspart man nicht nur dem Hund, sondern auch sich selbst und seiner kleinen Familie viel Belastung und Trauer.

Aber wenn es irgendwie geht – dann würde ich jedem laut zurufen: macht es! Traut euch! Das Leben mit Kleinkind ist eh chaotisch, da macht es auch nichts, wenn mit Hund mal was doppelt schief geht oder man doppelt planen muss – dafür lachen wir auch doppelt so viel und lieben nochmal mehr, als sowieso schon.

Kind und französische Bulldogge an der Ostsee

6 Kommentare zu „[Gastbeitrag] Neuer Hund und Kleinkind – können wir das machen?

  1. Super toll geschrieben und es ist alles wahr. Ich selbst habe drei Kinder und wie meine jüngste wie sie ein jahr war haben wir uns auch einen Welpen geholt. Die zeit war und ist immer mal wieder sehr anstrengend. Aber wenn ich es heute so sehe wie die jüngste jetzt 2 jahre mit unserem hund jetzt 1 jahr umgeht und er auch mit ihr ist es sehr schön anzuschauen.
    Ich persönlich finde es total schön wenn Kinder mit Tieren aufwachsen dürfen.
    Davor und auch jetzt haben wir schon immer Katzen gehabt aber ein Hund ist halt doch etwas ganz was anderes.
    LG Sabine
    Und Jasmin mach auf jeden Fall so weiter top.

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  2. Meiner Erfahrung nach kommt es auch dezent auf die Rasse an. Wenn selbige zum beschützen neigt, oder dafür bekannt ist, alles für sich zu beanspruchen, wird das viel Arbeit. Bei uns klappte das damals ganz gut, aber nicht ohne Probleme.

    Die Lösung ist und bleibt, dass auch der Hund nicht vernachlässigt wird. Er muss Teil der Familie bleiben, das Baby muss er frei kennenlernen dürfen und seine Zeit darf auch nicht zu kurz kommen. Also gilt es den Hund genügend auszulasten und ihn dann kontrolliert mit dem Kind zusammenzuführen.

    Das klappt schon ganz gut. Wie immer übrigens schöner Artikel, mit ganz tollen Bildern 🙂

    Gefällt 1 Person

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